FDP: Die Freiheit, basic zu sein

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Stefan Winopal
May 31, 2026
Vorher/Nachher: FDP (Freie Demokratische Partei)

Die FDP hat es nicht leicht – eben noch Regierungspartei steht sie inzwischen an der Schwelle zur Bedeutungslosigkeit, je nachdem, wen man fragt, natürlich. Wahlerfolge gab es aber keine mehr, seit die liberale Partei im vergangenen Jahr in die außerparlamentarische Opposition abgeschoben wurde.

Auf dem Bundesparteitag, der am letzten Maiwochenende 2026 stattfand, standen die Zeichen entsprechend auf Veränderung. Nicht nur wurde mit Wolfgang Kubicki ein neuer Parteichef installiert, nachdem der eine Christian (Lindner) den Karren in den Dreck gefahren hat und der andere Christian (Dürr) ihn nicht wieder hinausmanövrieren konnte. Auch designmäßig haben sich die „Freien Demokraten“ neu erfunden – und nennen sich fortan wieder einfach FDP.

Back to basic

Vom opulenten, grellen Design der Lindner-Ära ist beim Rebranding der FPD nicht viel übrig geblieben. Wir erinnern uns: Strahlende CMYK-Farben und großflächiger Gelb-Einsatz. Unvergessen auch die Plakatmotive in schwarzweiß mit Lindner im Tanktop und markigen Sprüchen. Die FDP hat zur Seriosität zurückgefunden und präsentiert sich nun in gedecktem Blau mit Akzenten in Gelb. Magenta haben die Liberalen komplett aus ihrem Malkasten entfernt, auch das Cyan-Blau spielt kaum noch eine Rolle.

Das Logo – bislang in einer Slab-Serife gesetzt – wurde Radikal vereinfacht: Statt dem Schriftzug „Freie Demokraten“, eine Bezeichnung, die sich ohnehin nie durchgesetzt hatte, stehen nun die drei Buchstaben FDP in einer minimalistischen Schrift im Helvetica-Vibe im Zentrum der Kommunikation. Fast schon basic mutet das an, für die FDP wahrscheinlich eher ein Ausdruck von Klarheit.

Als neue Hausschrift kommt (zumindest im Web) die Public Sans zum Einsatz, eine Open-Source-Schriftart, die auch von der US-Regierung verwendet wird. Diese bezeichnet die Font als „a simple, neutral typeface“ also als eine Schrift die bloß nicht aneckt, die nicht zu viel Charakter zeigt. Die Website der Partei wurde zum Bundesparteitag nur notdürftig an die neue Designlinie angepasst:

Der Instagram-Account der Bundespartei zeigt einige weitere Anwendungsbeispiele der neuen Designlinie, so ist die Slab-Serife als Akzentschrift erhalten geblieben. Der neue Claim „Wo Freiheit ist, ist alles möglich“ wird von einem Farbverlauf begleitet, der wohl einen Horizont bei aufgehender Sonne darstellen soll, der metaphorische Neuanfang.

Fazit

Die FDP folgt mit ihrem Rebranding einem Trend, der eigentlich schon wieder vorbei ist: der radikalen Vereinfachung von Logos. Viele (Luxus-)Brands sind diesem Trend gefolgt und haben austauschbare Schriftzüge installiert, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen – auf kosten der Wiedererkennbarkeit.

Auch das die FDP weniger stark als bislang auf ihre Parteifarbe Gelb setzt, könnte die Wiedererkennbarkeit der Freien Demokratischen Partei auf dem Markt der politischen Meinungen schmälern. „Irgendwie blau“ sind schließlich auch AfD und CDU. Wahrscheinlich ist der Fokus auf Blau also nicht ganz zufällig und die FDP versucht sich hier als konservative Alternative zu den genannten Parteien zu inszenieren. Farbpsychologisch mag das für eine politische Partei völlig Sinn ergeben, steht Blau doch unter anderem für Verlässlichkeit und ist deshalb nicht ohne Grund gerne bei Banken und Versicherungen im Einsatz.

Eine verpasste Chance, das vielfach proklamierte „Fehlen einer liberalen Stimme“ im politischen Tagesgeschäft auch optisch durch ein unverwechselbares Design zu unterstreichen, ist das leider trotzdem.